Abbe-Refraktometer

Carl Zeiss in Jena

Abbe-Refraktometer mit temperierbarem Prismen; Carl Zeiss 1904.

Das Instrument ist gefertigt aus geschwärztem und vernickeltem Messing, Keramik und Stahl. Es wird im zuhehörigen Erlenholzkasten stehend aufbewahrt.

Auf dem Fuß ist das Refraktometer schlicht signiert:

No 2028 Carl Zeiss, Jena

Um die Temperatur der Probe konstant zu halten ist das Probeprisma mit einer Durchlaufwassertemperierung versehen. Die Temperatur kann mit einem Thermomenter bestimmen werden. Die typische Meßtemperatur beträgt 20°C.

Das Justierplättchen für das Einstellen des Geräts bei der Natrium D-Linie (589 nm) ist in einer Pappdose untergebracht, welche folgende Beschriftung trägt: Justierplättchen zum Abbeschen Refrcatometer nD= 1,5176 (an dem Rechtschreibfehler der Beschriftung mit Schreibmaschine erkennt man leicht, daß sich die Produktion dieser Geräte noch im Anfangsstadium befand) – auf dem Plättchen ist der Brechungsindex ebenfalls graviert: nD= 1,5176.

Der Kasten trägt eine Inventurnummer Zentrales Geologisches Institut Berlin aus Zeiten der DDR.

Der Vorläufer dieses Institutes ist die 1873 gegründete Königlich Preußische Geologische Landesanstalt mit Sitz in der Invalidenstraße 44, Berlin. Die Einrichtung wird 1939 in Reichsstelle für Bodenforschung und 1941 schließlich in Reichsamt für Bodenforschung umbenannt; das Dienstgebäude bleibt während der Namensänderungen stets das selbe. Erworben wird jenes Instrument für diese Sammlung aus der teilweisen Auflösung eines Institutbestandes der TU Bergakademie Freiberg, Sachsen im Jahre 2001.

Es handelt sich bei diesem Instrument um ein relativ frühes Abbe-Refraktometer mit Durchlauftemperierung und Skala von n = 1,3 bis 1,7, die mit Hilfe einer Lupe das direkte Ablesen von 0,001 gewährt, wobei diese Einheit nochmals um die Hälfte eines Inkrementes sicher geschätzt werden kann.

Das Abbe-Refraktometer wurde für firmeneigene Anwendungen im Hause Zeiss (z.B. für Immersionsflüssigkeiten und diverse Glassorten) von Ernst Abbé im Jahre 1872 entwickelt. Unter Ausnutzung des Grenzwinkels für Totalreflexion war es damit möglich, den Brechungsindex n in einem Tropfen einer Flüssigkeit genau zu bestimmen.

Nur wenige Instrumente wurden bis Ende der 1880er nicht zu diesem Zweck produziert und ausgeliefert. Erst gegen 1899 erscheint im Zeiss-Katalog eine Abbildung des Instrumentes, ohne Illustration wurde das Meßinstrument jedoch schon ab ca. 1881 angeboten und ist u.a. im Katalog Nr. 27, „Mikroskope und mikroskopische Hilfsapparate“ von 1885 zu finden. Interessant zu bemerken ist, dass es sich bei diesem Instrument um die erste Konstruktion handelt, für die Ernst Abbe ein Patent erteilt wurde – allerdings erst 1892.

Während die ersten Instrumente noch aus zaponiertem Messing hergestellt waren,

ging man bald dazu über, das Messing zu vernickeln, da der Zaponlack rasch durch unweigerlich auftretende Spritzer oder Tropfen alkoholhaltiger Lösungen im Laborbetrieb zerstört wurde.

Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs war Carl Zeiss der einzige Hersteller von Abbe-Refraktometern, erst ab ca. 1920 tauchten solche Instrumente auch bei Konkurrenten insbesondere im angelsächsischen Bereich auf. Die Neukonstruktion wurde 1911 vorgestellt.

Über dieses Exponat

Das hier gezeigte Instrument wird am 9. April 1904 hergestellt und ausgeliefert am 11. August 1904 an Carl Zeiss in Berlin. Die ursprüngliche Ausstattung umfaßte ein Thermometer (vorhanden), eine Heizspirale und einen Wasserdruckregulator.

Referenzen und Vergleiche

Vergleiche:

Referenz 72

Datierung mit freundlicher Unterstützung von Dr. Wolfgang Wimmer, Archiv Carl Zeiss Jena, 23.05.2001; Katalogabbildung mit freundlicher Unterstützung von Prof. Richard A. Paselk; Curator, Robert A. Paselk Scientific Instrument Museum; Humboldt State University; Arcata CA, USA

Falls Sie ein Instrument anzubieten hätten, würde ich mich über eine Nachricht immer sehr freuen.