Hufeisen-Mikroskop

Adam Prazmowski in Paris

Prazmowski’sches Hartnack Mikroskop; Paris um 1879.

Dieses Hufeisenstativ VII A ist die etwas kleinere Ausführung des Stativ VII und ist wie dieses um die optische Achse drehbar. Das Mikroskop ist gänzlich aus zaponiertem und geschwärztem Messing bzw. Stahl gefertigt. Die Tischplatte besteht aus einem Stück vulkanisiertem Hartgummi. Das Mikroskop verfügt über einen Auszugstubus und ein Gelenk zum Umlegen. Zur groben Einstellung dient eine geradverzahnter Trieb, die feine Fokussierung geschieht über ein Rändelrad mit Prismentrieb.

Der Plan- und Konkavspiegel ist in vier Gelenken gelagert und kann so aus der optischen Achse bewegt werden. Die Zylinderblende verfügt über zwei Einsätze und kann zusätzlich mit zwei auswechselbaren Blaugläsern bestückt werden.

Drei Okulare und ein Objektiv stellen die erhaltene optische Ausrüstung dar. Das Instrument wird liegend im mit lila Samt und Seide gefütterten Mahagonikasten untergebracht; die Auflichtlupe wird zum Transport teilweise demontiert.

Das Mikroskop trägt auf dem Tubus die dekorative Signatur:

Mon. E..Hart. & A..Praz.
A.. Prazmowski, sucr
Rue Bonaparte, 1.
Paris

Schon im Preis-Courant aus dem Oktober 1872 von Dr. E. Hartnack & Cie taucht dieses Mikroskop auf und wird 1876 beschrieben als:

No. VII. A. Mikroskop, dem vorigen gleich, aber kleiner und mit weniger hoher Tischplatte; optische Einrichtung dieselbe … 650 Fr. 520 Mark.

Dasselbe Instrument mit Charnier zum Umlegen…680 Fr. 544 Mark.

Hartnack & Prazmowski

Edmund Hartnack wird am 9. April 1826 zu Templin in der Uckermark geboren und lernt 1842 – 1847 in Berlin das Mechanikerhandwerk bei Wilhelm Hirschmann senior (1777 – 1847), welcher seinerseits mit Schiek und Pistor zusammengearbeitet hat. 1847 kommt Hartnack zu Heinrich Daniel Rühmkorff (1803-1877) nach Paris und geht später zu Oberhäuser. Dieser nimmt ihn 1854 als Teilhaber auf. Hartnack heiratet Johanna Maria Louise Kleinod, die Nichte Oberhäusers und übernimmt das Geschäft 1864, aus welchem sich sein früherer Chef mehr und mehr zurückgezogen hat.

Im Jahr 1864 tritt der aus Polen geflüchtete Mathematik-Professor Adam Prazmowski (geb. 25.03.1821 in Warschau) dem Unternehmen bei. 1863 ist der frühere Assistent der Warschauer Sternwarte aus politischen Gründen nach Paris emigriert. Zuvor nimmt er 1846-49 an der geodätischen Vermessung Polens teil und bereist bereits 1851 Deutschland und Frankreich. Adam Prazmowski; Fotoausschnitt aus einer Aufnahme der ehemaligen Nachet-Collection. Abb. freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Jeroen MeeusenNeben Beobachtungen der Sonnenfinsternissen 1852 & 1853 ist der Wissenschaftler Mitglied der Gradmessug Eismeer-Bessarabien im Jahre 1853 und Gesandter zur Beobachtung der Sonnenfinsternis 1860 in Spanien. Prazmowski hat sich als Observator schon zuvor mit Optik und der Berechnung von Linsensystemen beschäftigt – die fruchtbare Zusammenarbeit mag als Erklärung dienen, dass er bereits 1865 zum mechanischen Direktor des Unternehmens benannt wird. In dieser Zeit wird das Nicolsche Prisma (1866) und das Saccharimeter (1873) verbessert sowie ein eigener Beleuchtungsapparat entwickelt. 1878 wird Prazmowski Eigentümer der Pariser Filiale; nach seinem Tode 1885 übernehmen seine Meister Bézu & Hausser die Werkstätte und verkaufen diese 1896 schließlich an Alfred Nachet.

Hartnack muss auf Grund des deutsch-französischen Krieges 1870 Frankreich verlassen. Die Wirren in der französischen Hauptstadt bringen schwere Monate für die Werkstätte – Prazmowski führt die Geschäfte weiter und erstattet Hartnack so regelmäßig als möglich Bericht.

Anfang des Jahres 1872 nimmt Hartnack schließlich in Potsdam die Produktion von Mikroskopen auf und signiert seine Instrumente mit „E.Hartnack & Co Paris & Potsdam“. Die dort ausgelieferten Instrumente werden in Abstimmung mit der Pariser Werkstätte nummeriert, bis diese an Prazmowski verkauft wird.

Der viel geehrte Edmund Hartnack stirbt nur wenige Wochen nach dem Tod seiner geliebten Frau am 9. Februar 1891 in Potsdam.

Referenzen und Vergleiche

Vergleiche Referenz

1, 2, 25, 47, 48, 56, 75, 84, 85, 87

Falls Sie ein Instrument anzubieten hätten, würde ich mich über eine Nachricht immer sehr freuen.