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Mittleres Merz Mikroskop komplett im Weichholzkasten, um 1870. Das Mikroskop ist aus zaponiertem, sowie schwarz und braun gebeiztem Messing gefertigt. Zur Beleuchtung dient ein Plan- und Konkavspiegel, unter dem Tisch ist zur Regulierung eine Lochblendenrevolverscheibe angebracht. Die Grobeinstellung erfolgt über eine Schiebehülse, der Feinfokus wird mit Hilfe eines Rändelrads hinten unter der dreieckigen Säule bedient.
| Dem Benutzer zugewandt befindet sich am Tubus eine kleine Bohrung
für das Entweichen der Luft aus dem solchen beim Einsetzen des Okulars.
Das Instrument ist ausgestattet mit den Objektiven 1/3" und 1/12" sowie den Okularen 1 und 2 für Vergrößerungen von 60- und 120- bzw. 240- und 480-fach. Leider fehlt das Okular 3 für eine 720-fache lineare Vergrößerung mit dem Merz-Objektiv 1/12". Auf dem Tubus befindet sich die dekorative Signatur:
G. & S. Merz No.1404 Der recht grob wirkende Weichholzkasten ist vom ehemaligen Besitzer signiert: M.Hergel Archaisch wirken die beiden messingnen Verschlußhaken und die Eisenösen mit denen der Kasten ursprünglich durch ein kleines Vorhängeschloß verschlossen wird.
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Der Vorgänger dieses Stativ erscheint in der Preisliste G. &
S. Merz, vormals Utzschneider & Fraunhofer, in München aus dem
Jahre 1866 als:
A. Komplete Mikroskope. [...]
Mikroskop No.4 mit Stativ No.2, vertical und horizontal feststehender
Tisch, grobe und feine Bewegung am Tubus, Beleuchtung in und ausser der Axe,
Doppelspiegel, ohne Lupe für opace Gegenstände.
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In der optischen Ausstattung verändert wird dieses Mikroskopstativ im Verzeichnis der Mikroskope aus dem optischen Institute der Firma G. & S. Merz, vormals Utzschneider und Fraunhofer in München im Jahre 1872 angeboten als:
A. Complete Mikroskope.
[...]
Mikroskop No.4 mit Stativ No.2, einfacheres Modell, vertikal und horizontal feststehender Tisch, grobe *) und feine Bewegung am Tubus, Beleuchtung in und ausser der Axe. Das Instrument versehen mit 2 Objectivsystemen 1/3", 1/12" und 3 Ocularen: 1. 11/2. 2., gewährt 60 - 480malige Vergrösserung ...44 Thlr.
Nach Mikroskopion 29, Wild Heerbrugg
Ltd, 1976 handelt es sich bei dem 1/12" Merz-Objektiv um ein 65x/0.85
Der am 26. Januar 1793 in Bichl bei Benediktbeuren geborene Georg Merz besucht zunächst die Schule im benachbarten Stift und hilft seinem Vater, einem Leinweber, auf dem Felde in der Landwirtschaft. Als Utzschneider in Benediktbeuren eine Fabrik zur Herstellung von Flint- und Crownglas für sein optisches Institut errichtet, tritt Merz dort 1808 als Arbeiter ein. Angeregt von einem der Padres des mittlerweile säkularisierten Klosters studiert Merz in seiner freien Zeit mit großem Eifer Mathematik und Optik. Fraunhofer erkennt die außerordentliche Begabung des jungen Arbeiters und ernennt ihn zum Werkführer.
Mit dem Tode Fraunhofers übernimmt Merz 1826 die Geschäftsleitung und wird zum Direktor der optischen Abteilung. Zusammen mit dem Mechaniker Franz Joseph Mahler wird er 1830 Teilhaber und 1839 Eigentümer des Instituts. Nach dem Tode Mahlers 1845 führt Georg Merz das Institut weiter unter Mitarbeit seiner Söhne Siegmund (1824 - 1908) und Ludwig (1817 - 1858). Seit ca. 1858 übernimmt G. & S. Merz im Mikroskopbau auch das von Oberhäuser vorgegebene und vielfach nachgeahmte Hufeisenstativ. Das Institut wird nach München verlegt und die Signatur lautete "G. Merz & Söhne in München".
Ludwig Merz stirbt 1858 mit 41 Jahren
an Bleivergiftung, die er sich bei der Flintglasherstellung in Benediktbeuren
zuzieht. Danach firmiert das Institut mit: "G & S Merz in München".
1865 erreichen Mikroskope von Merz zusammen mit Instrumenten von Hartnack
ein in jener Zeit unübertroffenes Auflösungsvermögen. Georg
Merz stirbt am 12. Januar 1867.
Nun ist Sigmund alleiniger Inhaber des Institutes. Im Jahr 1871 hat das Unternehmen 63 Beschäftigte und signiert "G. & S. Merz (vormals Utzschneider & Fraunhofer) in München". 1883 übergibt Sigmund Merz die Münchner Werkstätte an seinen langjährigen Gehilfen und Vetter Jakob Merz (1833 - 1906), dieser verkauft die traditionsreiche Firma am 5. Oktober 1903 an Paul Zschokke (1853 - 1932). .
Da
es unter Fraunhofers Federführung in Bediktbeuren und München gelungen
ist, achromatische Linsenkombinationen zu erstellen, erlangt das Unternehmen
rasch Weltrang. Das Wissen bleibt in der Firma und unter Merz führt
sie noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts im Bau großer Refraktoren für
die Sternwarten Europas. Mikroskope sind, wie schon unter Fraunhofers Leitung,
von eher untergeordneter Bedeutung und daher recht selten. Das optische Glas
wird stets nur für den Bedarf der Werkstätte in der eigenen
Glashütte geschmolzen und nicht als Rohstoff an andere Firmen verkauft.
[Vergleiche: Medizinhistorische Sammlung der Universität Zürich: "G. & S. Merz in München No.948" und "G. & S. Merz in München No.1689"; Deutsches Museum München: "G. & S. Merz in München No.1863", Inv.-Nr. 10770; Fondazione Scienza e Tecnica, Firenze, Italien: "G. & S. Merz in München No. 1610"; Details zu dem 1/12" Objektiv vergleiche HMSC Bulletin Volume 12/47, S.85, Priceville, ON, Canada 2001]
(Als Geschenk zum Diplom im Fach Maschinenbau an der Universität Karlsruhe (TH) im März 2003 von meiner Großmutter Margot Mappes - vorgezogener Erwerb des Instruments bereits im April 2000)
(Referenz 1, 2, 9, 12, 13, 14, 15, 17, 25, 56, 64, 73, 88
)
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