Abbe-Refraktometer, Carl Zeiss Jena


Abbé Refraktometer # 2028 Abbé Refraktometer # 2028 Abbé Refraktometer # 2028
Abbé Refraktometer # 2028Abbé Refraktometer # 2028

Abbe-Refraktometer mit beheizbaren Prismen; Carl Zeiss 1904, geschwärztes und vernickeltes Messing in Kasten.
Auf dem Fuß signiert: No. 2028 Carl Zeiss Jena

Mit Thermometer und Justierplättchen, letzteres in eigener Pappdose, beschriftet: Justierplättchen zum Abbeschen Refrcatometer nD= 1,5176 (an dem Rechtschreibfehler der Beschriftung mit Schreibmaschine erkennt man leicht, daß sich die Produktion dieser Geräte noch im Anfangsstadium befand) - auf dem Plättchen ist der Brechungsindex ebenfalls graviert: nD= 1,5176.
Das Instrument wurde am 9. April 1904 hergestellt und ausgeliefert am 11. August 1904 an Carl Zeiss in Berlin. Die ursprüngliche Ausstattung umfaßte ein Thermometer (vorhanden), eine Heizspirale und einen Wasserdruckregulator.

Der Kasten trägt eine Inventurnummer Zentrales Geologisches Institut Berlin aus Zeiten der DDR. Der Vorläufer dieses Institutes war die 1873 gegründete "Königlich Preußische Geologische Landesanstalt" mit Sitz in der Invalidenstraße 44, Berlin. Die Einrichtung wurde 1939 in "Reichsstelle für Bodenforschung" und 1941 schließlich in "Reichsamt für Bodenforschung" umbenannt; das Dienstgebäude blieb stets das selbe. Erworben wurde jenes Instrument für diese Sammlung aus der teilweisen Auflösung eines Institutbestandes der TU Bergakademie Freiberg, Sachsen.

Es handelt sich bei diesem Instrument um ein relativ frühes Abbe-Refraktometer mit Durchlauftemperierung und Skala von n = 1,3 bis 1,7, mit Ablesegenauigkeit von 0,001, wobei diese Einheit nochmals um die Hälfte eines Inkrementes sicher geschätzt werden kann. 

Abbé Refraktometer # 2028, Signatur
Abbé Refraktometer # 2028, Justierplättchen

Abbé Refraktometer, Katalog 1899Zeiss Abbe Refraktometer Abblidung aus: "Directions for using the Abbe Refractometer"; Carl Zeiss Jena; Mess 172; 1926Das Abbe-Refraktometer wurde für firmeneigene Anwendungen im Hause Zeiss (z.B. für Immersionsflüssigkeiten und diverse Glassorten) von Ernst Abbé im Jahre 1872 entwickelt. Unter Ausnutzung des Grenzwinkels für Totalreflexion war es damit möglich, den Brechungsindex n in einem Tropfen einer Flüssigkeit genau zu bestimmen. Nur wenige Instrumente wurden bis Ende der 1880er nicht zu diesem Zweck produziert und ausgeliefert. Erst gegen 1899 erscheint im Zeiss-Katalog eine Abbildung des Instrumentes, ohne Illustration wurde das Meßinstrument jedoch schon ab ca. 1881 angeboten und ist u.a. im Katalog Nr. 27, "Mikroskope und mikroskopische Hilfsapparate" von 1885 zu finden. Interessant zu bemerken ist, dass es sich bei diesem Instrument um die erste Konstruktion handelt, für die Ernst Abbe ein Patent erteilt wurde - allerdings erst 1892.

Während die ersten Instrumente noch aus zaponiertem Messing hergestellt waren, ging man bald dazu über, das Messing zu vernickeln, da der Zaponlack rasch durch unweigerlich auftretende Spritzer oder Tropfen alkoholhaltiger Lösungen im Laborbetrieb zerstört wurde.

Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs war Carl Zeiss der einzige Hersteller von Abbe-Refraktometern, erst ab ca. 1920 tauchten solche Instrumente auch bei Konkurrenten insbesondere im angelsächsischen Bereich auf. Die Neukonstruktion wurde 1911 vorgestellt.

[Vergleiche Referenz 72]

(Datierung mit freundlicher Unterstützung von Dr. Wolfgang Wimmer, Archiv Carl Zeiss Jena, 23.05.2001; Katalogabbildung mit freundlicher Unterstützung von Prof. Richard A. Paselk; Curator, Robert A. Paselk Scientific Instrument Museum; Humboldt State University; Arcata CA, USA)



24.09.2002 by Timo Mappes

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