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| Frühes kleines Mikroskop von Engelbert & Hensoldt. Das
Stativ um 1864 besteht aus lackiertem und geschwärztem Messing,
gebläutem Stahl und Eisenguß. Die grobe Einstellung erfolgt über
einen Schiebetubus, dessen Hülse im Durchmesser variiert werden kann,
um so bei Bedarf die Gängigkeit des Lagers einzustellen. Wie bei den
ersten Stativen von Kellner üblich, ist die Rändelschraube für
den Feintrieb unter dem Tisch angebracht, um bequem mit liegender Hand bedient
werden zu können. Auch diese Führung an einer prismatischen Säule
kann mit einer gegen eine Blattfeder wirkende Schraube bei Bedarf nachgestellt
werden. Die Beleuchtung erfolgt über einen doppelseitigen Plan- und Konkav-Spiegel, der für schiefe Beleuchtung aus der optischen Achse bewegt werden kann. Ebenfalls für schiefe Beleuchtung verfügt das unter der Tischplatte befestigte Revolverlochblendenrad über eine schlitzförmige Apertur, neben sieben kreisförmigen Blendenöffnungen. Der elegant wirkende Fuß des Instruments ist als massive rechteckige Platte mit abgerundeten Kanten und gebogener Säule aus geschwärztem Eisenguß gefertigt. Wie auch bei den frühen Mikroskopen aus dem Optischen Institut in Wetzlar, ist der Tisch nicht für Objektklemmen vorgesehen.
Dem Benutzer zugewandt ist das Instrument auf der Tischplatte schlicht signiert:
Engelbert u. Hensoldt |
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![]() Leopold Dippel schreibt in der zweiten Auflage von "Das Mikroskop"
(1882) zu jenem Stativ mit dieser Ausstattung: Engelbert u. Hensoldt in
Wetzlar, soweit mir bekannt, in dem optischen Institut zu Wetzlar unter Kellner's
Leitung ausgebildet, hatten sich früher die von diesem ausgehenden
Mikroskope und Objectivsysteme zum Muster genommen und lieferten, soviel
ich mich durch die Prüfung eines kleinen Mikroskopes mit sämmtlichen
Objectivsystemen und Ocularen zu überzeugen Gelegenheit hatte, schon
Anfang der 60er Jahre recht gute Instrumente.
Der holländische Professor Pieter Harting beruft sich in seiner Bewertung dieses Herstellers 1866 in "Das Mikroskop" auf Rud. Wagner (Nachrichten v.d.G.A. Universität u.d. Königl. Ges. der Wiss. Zu Göttingen. 1857, Nr. 19, S.253): Hensoldt in Sonneberg ahmen die Mikroskope Kellners nach, kommen diesen optisch nicht ganz gleich, mechanisch übertreffen sie diese jedoch. Mikroskope mit zwei Linsensystemen und drei Ocularen kosten 50 Thaler, das stärkste Okular wird jedoch als unbrauchbar bewertet.
Kellner arbeitet ab Anfang 1846 im Elternhaus in Braunfels, da sein Vater dort als Hüttenverwalter eingesetzt wird. Er muss dort eine kleine Werkstätte gehabt haben. Ende April des Jahres 1848 (zur Zeiten der Braunfelser Bauernunruhen) kommt es zu einem ersten Versuch der Zusammenarbeit Kellners mit Hensoldt in einer gemeinsamen Werkstätte. Hierzu reist Kellner zum Freunde nach Sonneberg, der sich dort nach seiner Rückkehr aus Hamburg im April 1847 eingerichtet hatte. Der Versuch scheitert und Kellner lebt ab dem Sommer 1848 in Wetzlar. Seine erste Werkstätte teilt er sich dort mit dem Instrumentenbauer Greiner. Ein Jahr später kann er Hensoldt überzeugen, ebenfalls nach Wetzlar zu ziehen. Termingerecht trifft Hensoldt dort ein um die Reinschrift der Manuskripts zu Kellners "Das Orthoskopische Ocular" mit einem Anhang von Hensoldt "Zur Kenntniß und genauen Prüfung der Libellen oder Niveaus" an den Verleger Vieweg anzufertigen. Diese Publikation Kellners wird kurze Zeit später in Fachkreisen einer Dissertation gleichgesetzt. Die Vereiniging der Kräfte beider ermöglicht die Gründung des "optischen Instituts" in Wetzlar 1849.
Im Jahre 1854 heiratet Moritz Hensoldt Christine Ohlenburger, die Cousine von Carl Kellner und Louis Engelbert. Letzterer ist mittlerweile zum engsten Vertrauten Kellners in dessen Werkstatt geworden. Als Kellner nach der Erkrankung an Tuberkulose sich seines nahenden Ende bewußt wird, weiht er Engelbert in sämtliche Fertigungschritte ein und ermöglicht diesem nach dem frühen Tode Kellners im Mai 1855 eine angemessene Leitung des Optischen Instituts in Wetzlar. Nach dem Trauerjahr heiratet jedoch die Witwe Kellners den Gehilfen Friedrich Belthle und überträgt diesem die Leitung der Werkstatt, worauf Engelbert die Firma verläßt um eigenständig Mikroskope in Oberndorf zu bauen. Engelbert und Hensoldt schätzen die Arbeit des jeweils anderen sehr hoch ein und so verbinden sie sich in Braunfels zu einer gemeinsamen Firma im Jahre 1861. Auf Veranlassung des Fürsten Ferdinand von Braunfels werden die Mikroskope im St.-Georgs-Hof gefertigt bis das junge Unternehmen 1865 in das verkehrsgünstiger gelegene Wetzlar übersiedelt. Die beiden Teilhaber wirken fortan in getrennten Werkstätten, wobei Engelbert bis zu seinem Tod 1887 die Instrumente mit "Engelbert und Hensoldt in Wetzlar" signiert.
Zusammenfassend ist daher festzustellen, dass die wenigen von "Engelbert und Hensoldt" in Braunfels gefertigten Mikroskope alles Können und Wissen vereinen, dass sie als die engsten Vertrauten von Carl Kellner zusammen mit diesem erarbeitet oder von ihm gelernt haben. Jene Hände die die mechanische Fertigung der ersten Kellner'schen Mikroskope ausführen, wirken nun hier und übertreffen in der Qualität der Arbeiten die Instrumente aus Kellners Zeit noch. |
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Dieses Mikroskop wird noch in den 1920er Jahren von Elisabeth Weber, geb. Clemm (25.12.1898 - 23.12.1986) für ihr Biologiestudium an der Universität München eingesetzt. Aus dem Besitz ihres Sohnes, Martin Weber, kann jenes Mikroskop im Oktober 2003 für die Sammlung erworben werden.
[Vergleiche: Sammlung des Medizinhistorischen Instituts der Universität Bern: Mikroskop "Engelbert u. Hensoldt. Braunfels. 97.", Inv.-Nr. 2012 - nach Referenz 101 das älteste bekannte erhaltene Mikroskop des Herstellers bis zum Jahre 2001; bei jenem Mikroskop wurde jedoch von Leitz der originale Tubus und die Optik später ergänzt (Anmerkung des Verfassers); Sammlung des Pharmaziehistorischen Museum Basel: Mikroskop "Engelbert u. Hensoldt. Wetzlar. 325.", Inv.-Nr. M 421]
(Referenz 4, 34, 53, 94, 95, 97, 101 sowie persönliche Korrespondenz
mit Christine Belz-Hensoldt, Château de Marigny, Frankreich,
14.10.2006)
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