R. Fuess Berlin-Steglitz: Kleiner Universaldrehtisch


Universaldrehtisch UT2 von R. Fuess Berlin-Steglitz

Universaldrehtisch UT2 von R. Fuess Berlin-Steglitz

Universaldrehtisch UT2 von R. Fuess Berlin-Steglitz Universaldrehtisch UT2 von R. Fuess Berlin-Steglitz

Universaldrehtisch UT2 von R. Fuess Berlin-Steglitz
R. Fuess Berlin-Steglitz: Kleiner Universaldrehtisch um 1900. Der Hilfsapparat ist gefertigt aus vernickeltem und klar lackiertem Messing und Stahl.

Dieser kleine Universaldrehtisch ist für den Gebrauch mit den kleineren Polarisationsmikroskopstativen gedacht und verfügt nur über zwei statt drei Drehachsen.

Universaldrehtisch UT2 von R. Fuess Berlin-Steglitz: SignaturSigniert ist der Apparat auf der Grundplatte:

R. Fuess. Berlin-Steglitz.

Zur fachgerechten Verwendung benötigt der Universaldrehtisch Halbkugelsegmente zur Beleuchtung unter der Probe und für die mikroskopische Analyse über dem Dünnschliff. Die Brechzahl dieser Kugelsegmente muss der des zu untersuchenden Minerals angepasst sein. Entsprechenden finden sich bei diesem Apparat Universaldrehtisch UT2 von R. Fuess Berlin-Steglitz: Halbkugellinsenein Halbkugelsegementpaar in originaler Schatulle mit der Beschriftung der Brechzahl:

2 Halb-
kugellinsen
nD = 1,5239

Der Universaldrehtisch selbst wird in einer Lederschatulle untergebracht. Diese Schatulle trägt ein aufgeklebtes Papierschild welches offenbar von Fuess beschriftetet wird - und nachträglich eine Literaturreferenz erhält:

Universaldrehtisch UT2 von R. Fuess Berlin-Steglitz: Beschriftung des Lederkästchens"Universaltisch"
nach Fedorow.
Mittleres Modell
(Leiss, pag 235)

Bei der zitierten Literatur handelt es sich um die ausführliche Beschreibung der mineralogischen und übrigen optischen Instrumente der Frima Fuess durch den verantwortlichen Konstrukteur Carl Leiss (1868-1940). Es heißt dort auf Seite 233-235 (Carl Leiss: Die Optischen Instrumente Der Firma R. Fuess, Deren Beschreibung, Justierung und Anwendung. Engelmann, Leipzig 1899):

Universaldrehtisch UT2 von R. Fuess Berlin-Steglitz137. Universaltische nach E. v. Fedorow

a. Kleines Modell (Fig. 136). Dasselbe ist vornehmlich zu Unterrichts- und Demonstrationszwecken bestimmt und kann selbst auf den Tischen der kleinsten Mikroskope (s. S. 253) befestigt werden. Charakteristisch ist dem kleinen Modell, dass die an demselben verwendbaren runden Objektträger von 20 mm Durchmesser und 1 mm Dicke gleich einen Ersatz für die zweite Drehbewegung des Tischchens bieten. Auf der Grundplatte G erheben sich die beiden Ständer s und s1; in diesen ist die Axe des vertikalen Teilkreises T gelagert. Die Drehung desselben erfolgt mittelst des Knopfes k die Fixierung durch das Schräubchen f.
Die Einteilung für die Ablesung der zweiten, durch den Objektträger O auszuführenden Drehbewegung befindet sich auf der mit dem Vertikalkreis und dessen Axe fest verbundenen Platte P. Mit der Oberfläche des Objektglases fällt auch die Drehungsaxe des Vertikalkreises T zusammen. In der Normalstellung des horizontalen Limbus coinzidieren die Nullpunkte des vertikalen Kreises und dessen Nonius. Damit bei stärkerer Neigung die Durchblicksöffnung nicht den Zutritt des Lichtes versperrt und die Beobachtung verhindert, ist dieselbe zunächst nach Möglichkeit groß gehalten, nach unten hin abgeschrägt und ferner die Platte P nur mäßig stark ausgeführt. Um bei etwaiger geringer Verschiedenheit im Durchmesser der Objektträger in allen Fällen ein Gewähr für die gute Einlagerung und solide Drehfähigkeit derselben zu haben ist die linksseitige Lagerbacke l in der Richtung der Achse federnd eingerichtet.

Kleiner Universaldrehtisch UT2 von Fuess. Abb. aus: R. Fuess mechanisch-optische Werkstätten Steglitz bei Berlin Abteilung I.: Optische Instrumente; Liste No. 38 (III. Auflage); Steglitz 1907 Sowohl auf dem horizontalen als auch auf dem vertikalen Limbus schreitet die Einteilung von 5° zu 5° fort; der Nonius n des letzteren giebt die ganzen Grade an, während bei dem horizontalen Limbus ein auf das Präparat an dessen Rand mittelst Diamantspitze aufgezogener Strichals Index dient und leicht noch die ganzen Grade zu schätzen gestattet. Solche Objekte, welche häufigeren und eingehenderen Messungen unterzogen werden sollen, wird man zweckmäßig auf Gläser bringen, welche, wie aus der Figur ersichtlich, mit vier um 90° voneinander entfernten Strichmarken versehen sind. Diese vier Strichmarken sind deshalb nötig, weil der horizontale Limbus keine volle Kreisteilung darstellt. Um eine Verwechselung der Striche unter einander bei Ablesungen zu verhüten, sind dieselben durch Punkte besonders gekennzeichnet.
Zur Vergrößerung des Gesichtswinkels und zur Beobachtung der optischen Axen können dem Apparat zwei Linsen (Fig. 137) beigegeben werden, wovon die eine (a) auf das am besten unbedeckte Objekt c, die andere (b) gegen die untere Fläche des runden Objektträgers O mittelst einer stärker brechenden Substanz (Glycerin) geklebt wird. Schnitt durch den Tisch eines kleinen UT2 von Fuess. Abb. aus: Carl Leiss: Die Optischen Instrumente Der Firma R. Fuess, Deren Beschreibung, Justierung und Anwendung; Engelmann Leipzig 1899Beide Linsen bilden zusammen eine Kugel, deren Mittelpunkt in die Ebene des Objektes c fällt.

Um die Linsen bei einer etwa erforderlichen Verschiebung nicht mit den Fingern berühren zu müssen, kann dem Apparat eine zweckentsprechende Pincette beigefügt werden.
Der Brechungsexponent
[sic!] der für die Tischchen verfertigten runden Objektgläser ist für Na-Licht 1,5233, desgleichen derjenige der Linsen. Wenn erwünscht, können den Apparaten aber auch Halbkugellinsen aus stärker brechendem Glase (nD = 1,7 - l,8) beigegeben werden. Die Höhe des Tischchens von der Grundplatte bis zur horizontal gestellten Oberfläche des Objektträgers beträgt nur 11 mm.

Schnitt durch den Tisch eines UT2 von Fuess. Abb. aus: Carl Leiss: Die Optischen Instrumente Der Firma R. Fuess, Deren Beschreibung, Justierung und Anwendung; Engelmann Leipzig 1899b. Mittleres Modell. Dieses aus dem vorhergehenden entstandene Universaltischchen unterscheidet sich von ersterem hauptsächlich dadurch, dass sowohl der vertikale als auch horizontale Limbus im Durchmesser von 20 auf 35 mm erhöht und die Teilungen verfeinert wurden. Die Einteilungen der beiden Teilkreise schreiten von 2° zu 2° fort und es zeigen die Nonien direkt 10' an.
Fig. 138 zeigt einen Durchschnitt durch den horizontalen Kreis mit aufgelegtem Präparat und den beiden Glaskugelsegmenten. Die Graduierung ist auf den etwa 5 mm breiten Metallring T, in welchen die mit eingeätztem Stichkreuz versehene runde Glasscheibe von 1 mm Stärke eingefasst ist, aufgetragen. Gegen die letztere wird der auf dem runden Objektträger O von 20 mm Durchmesser befestigte und unbedeckte Schliff unter Vermittelung eines stärker brechenden Mediums geklebt und kann auf derselben nach Belieben verschoben werden. Die Benutzung der beiden Kugelsegmente a und b ist die gleiche wie bei dem kleinen Modell.
Universaldrehtisch UT2 von R. Fuess Berlin-Steglitz: SchatulleZur Beobachtung und Messung der optischen Axen bedient man sich am besten der auf S. 230 erwähnten Methode.
Bei der immerhin noch sehr mäßigen Höhe von 16 - 17 mm ist dieses Universaltischchen gleichfalls noch bequem an kleineren Mikroskopstativen verwendbar.

Mit der Pinzette können die Halbkugelsegmente auf dem Tisch verschoben, d.h. für den Gebrauch justiert werden. Drei originale Objektträger sind dem Nebenapparat ebenfalls noch erhalten.

Im Katalog von 1907 wird dieser Tisch wie folgt angeboten (R. Fuess mechanisch-optische Werkstätten Steglitz bei Berlin Abteilung I.: Optische Instrumente. Liste No. 38 (III. Auflage); Steglitz 1907):

4. Vorrichtungen zum Aufsetzen auf den Objekttisch.

[...]
No.137 Universaltisch nach E. v. Fedorow.
a) Kleines Modell......Mk. 28,50
b) Mittleres Modell....Mk. 50,-
c) Großes Modell mit 4 Drehbewegungen, 2 Halbkugellinsen und Pinzette für letzete...Mk. 150,-

Zubehörteile zu den v. Fedorow'schen Universaltischen:

a) 2 Glaslinsen für die Universaltischchen nD = ca. 1.523, Durchmesser der Linsen ca. 9-10 mm ...Mk 5,-

[...]

b) 1 Pinzette zum Verschieben der Kugelsegmente...Mk 2,50

c) 100 Objektträger von 20 mm Durchmesser (nD = ca. 1.523)...Mk 12,00

Der hier gezeigte Nebenapparat kostet damit im Jahre 1907 insgesamt 57.50 Mark.

E.S.Fedorow; Abb. mit freundlicher Genehmigung aus "Kristalle und Licht - Drehmethoden in der Mineralogie", Olaf Medenbach et al. 1998Der russische Mineraloge Ewgraph Stepamowitsch von Fedorow (1853 - 1919) studiert bis 1883 am Berginstitut Sankt Petersburg von wo er 1895 als Professor für Mineralogie und Geologie an die Landwirtschaftliche Hochschule zu Petrowsko-Rasumowskoje bei Moskau berufen wird; später kehrt er als Lehrstuhlinhaber an die Bergakademie St. Petersburg zurück.
E.S. Fedorow entwickelt ab 1893 eine komplett neue Meßmethode welche mehrkreisige Drehapparate fordert. Relativ zur kristallographischen Richtung kann er damit die Lage der optischen Hauptrichtungen nx, ny und nz bestimmen.
Bei genauerer Untersuchung stellt sich heraus, dass sich die Zusammensetzung der Mischkristallreihen in der Optik und Kristallographie widerspiegelt und mit Hilfe derer also eine chemische Bestimmung möglich wird.
Da einzelne Körner in Dünnschliffen mit dem U-Tisch relativ zueinander bestimmt werden können, wird jener zu einem wichtigen Instrument in der Gefügekunde. Problematisch bleibt jedoch lange, daß auf U-Tischen als Zubehör nur runde Objektgläser mit Schliffen ohne Deckgläser bis 20 mm Durchmesser untersucht werden können.

[Vergleiche Referenz  43, 59, 63, 87]



02.01.2011 by Timo Mappes

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