Großes Trommelmikroskop

Georg Oberhaeuser in Paris

Oberhäuser Mikroskop: Große Trommel; Stativ 6 um 1856

Das Mikroskop ist gefertigt aus zaponiertem, geschwärztem und grün lackiertem Messing und schwarzem Glas. Zur groben Fokussierung dient ein Schiebetubus, die Feineinstellung erfolgt über eine Rändelschraube unter der Tischplatte. Das Mikroskop verfügt über einen Auszugstubus und ist um die optische Achse drehbar. Die Beleuchtung erfolgt über einen dreh- aber nicht schwenkbaren Spiegel mit planer bzw. konkaver Seite. Über einen Hebelmechanismus kann die Hülse mit der Aperturblende gegen das zu untersuchende Objekt innerhalb der Trommel bewegt werden.

Das hier gezeigte Mikroskop ist ausgestattet mit einem Okular Nr. 4. sowie einem Objektiv Nr. 8. Darüber hinaus verfügt das Instrument über ein Nicolprisma als Tubusanalysator direkt nach dem Objektiv. Der passende Polarisator ist nicht mehr vorhanden.

Am Tubusträger ist das Mikroskop dekorativ auf beiden Seiten signiert:

Georges Oberhaeuser,

Place Dauphine Paris.

Es handelt sich bei diesem Stativ um das größte Trommelstativ aus der Werkstätte von Oberhäuser, angeboten in dieser Form seit ca. 1840 gebaut und bis Anfang der 1860er Jahre.

Die früheren Versionen dieses Mikroskops tragen zusätzliche Hinweise zur geschützten Bauart des Instruments und dessen optischen und mechanischen Besonderheiten. Dort ist dann zu lesen:

Microscope achromatique.
Platine à Tourbillon.
______
Eclairage à rayons
parallèles.
______
Diaphragme a mouvement
vertical.
Die Unterseite des runden Fußes ist mit Leder bezogen um das Instrument beziehungsweise die Tischauflage gegenseitig vor Schäden zu schützen. Hier ist die Seriennummer 2785 eingebrannt.

Noch im „Preis-Verzeichnis der achromatischen Mikroskope von E. Hartnack, Nachfolger von G. Oberhaeuser in Paris / Place Dauphine, 21“ von 1861 erscheint dieses Mikroskop wie folgt:

  1. Achromatisches Mikroskop (älteres) grosses Trommelstativ. Vergrösserungen von 50, 65, 140, 172, 220 und 300; mit drehbarem Tisch und Platte desselben von schwarzem Glas, Cylinderblendungen, Beleuchtungslinse für opake Körper, Mahagonikasten….320 Francs. Mit drei Objektiven und einem weiteren Okular, um Vergrösserung bis zu 600 zu erhalten…370 Francs.

[…]

Polarisationsapparate (für Mikroskope von No. 4 an verwendbar)…50-70 Francs

Johann Georg Oberhäuser

Johann Georg Oberhäuser (1798 – 1868)

Der am 16. Juli 1798 als Sohn eines bayrischen Drechslermeisters in Ansbach (Mittelfranken) geborene Johann Georg Oberhäuser besucht das Gymnasium und will den Ingenieurberuf ergreifen. Durch den frühen Tod seines Vaters wird er jedoch gezwungen, 1812 als Mechanikerlehrling bei dem Universitätsmechaniker du Mouceau in Würzburg einzutreten. Nach drei Jahren stirbt sein Lehrherr und Oberhäuser begibt sich als Mechanikergehilfe im Frühjahr 1816 nach Paris. Dort gelingt es ihm, mit tüchtigen Fachleuten in Kontakt zu treten und so kann er sich schon 1830 mit Trécourt und Bouquet selbständig machen. Schon bald trennt sich Oberhäuser jedoch wieder von seinen Kompagnons. Feldstecher und Mikroskope werden die Haupterzeugnisse.

Zunächst verbessert er das aus dem 18. Jahrhundert stammende Trommelstativ ab 1835, wobei er es unter anderem im Innern des Fußes mit Blei beschwert. Das Schutzrecht auf ein ein „microscope achromatique vertical à miroir fixe avec platine à tourbillon“ wird Georges Oberhaeuser zusammen mit Achille Trécourt im Oktober 1837 erteilt. Oberhäusers Werkstatt gelangt schnell zu einem guten Ruf durch günstige und solide Instrumente mit ausgezeichneten achromatischen Objektiven.

Der Berliner Botaniker Hermann Schacht (Das Mikroskop und seine Anwendung, insbesondere für Pflanzen-Anatomie und Physiologie; Verlag von G.W.F. Müller, Berlin 1851) zum Beispiel lobt Mikroskope aus Oberhäusers Werkstatt sehr:

Ich habe […] mindestens 30 Mikroskope verschiedener Grössen, von Oberhäuser angefertigt, unter den Händen gehabt, ich habe Jahre lang, erst mit einem kleinen, darauf mit einem mittleren Instrumente Oberhäusers gearbeitet, und deren Bilder sehr häufig, sowohl mit verschiedenen Mikroskopen von Schiek und Plössl, als auch mit Instrumenten von Norbert verglichen; dieser Vergleich entschied fast immer zu Gunsten Oberhäuser’s; ich habe kein schlechtes Instrument aus dieser Werkstatt gesehen; mit der Grösse der Mikroskope und mit dem Preis derselben steigt jedoch, wie natürlich, auch die Güte der Objective.

1848 führt Oberhäuser das Hufeisenstativ ein, welches von allen führenden Herstellern übernommen wird und fast 100 Jahre im Gebrauch bleibt. Ferner standardisiert Oberhäuser die Tubuslänge auf 160 mm auf Veranlassung der damaligen Anatomen. So bleibt das Mikroskop ausreichend klein, um feuchte Objekte vertikal betrachten zu können, was mit den damaligen britischen Instrumenten nur schwer möglich ist. Dabei konstruiert Oberhäuser seine Mikroskope so einfach wie möglich, unter Verzicht auf technische Verfeinerungen, wiederum ganz im Gegensatz zu englischen Instrumenten. So erfolgt die Grobeinstellung durch Verschieben des Tubus mit der Hand, während nur zum Feinfokus eine Mikrometerschraube vorhanden ist. Diese einfache Bedienung ermöglicht es den Forschern, sich ganz auf ihre mikroskopische Arbeit zu konzentrieren. So erfreuen sich Mikroskope aus Oberhäusers Werkstätte sowohl auf Grund ihrer hervorragenden Objektive als auch der praktischen und relativ preiswürdigen Hufeisenstative großer Beliebtheit.

Die „kleine Trommel“ findet weite Verbreitung. In den Jahren 1831 bis 1856 gehen 3000 Mikroskope aus Oberhäusers Werkstatt hervor.

Oberhäuser nimmt 1854 seinen Mitarbeiter Edmund Hartnack als Teilhaber auf. Dieser heiratet die Nichte Oberhäusers und übernimmt das Geschäft 1864, aus welchem sich sein früherer Chef mehr und mehr zurückgezogen hat.

Den Kontakt zu seiner Geburtsstadt läßt Oberhäuser nie abbrechen, in späteren Jahren setzt er eine Stiftung zur „Linderung der Armut und Förderung industrieller Zwecke“ in Ansbach aus. So wird ihm 1852 das Ehrenbürgerrecht der Stadt verliehen, deren Museen er mehrfach mit Schenkungen bedenkt. Oberhäuser verstirbt am 10. Januar 1868 in Paris.

Über das Exponat

Dieses Mikroskop kann im Sommer 2007 aus einer privaten Sammlung für diese Sammlung erworben werden.

Referenzen und Vergleiche

Vergleiche Referenz

1, 2, 47, 56, 83 sowie Optisches Museum der Ernst-Abbe-Stiftung Jena: „Trommelmikroskop mit horizontalem Einblick / Georg Oberhaeuser, Paris / um 1850“ signiert auf dem Tubusträger „Georges Oberhaeuser“ / „Place Dauphine, 19 / Paris“ und auf der Basis mit der Seriennumer „1229“;  Billings Collection Washington: „Georges Oberhaeuser, Paris, France, compound monocular; C. 1848“ signiert „Georges Oberhaeuser, Place Dauphine 19, Paris, No. 1454“ AFIP 518917-66-6247 (Abb. 370, S. 193); The Microscope Collection at the Science Museum London: „Drum-base Microscope by Oberhaeuser & Hartnack“, signiert „G. Oberhaeuser, / et E. Hartnack. / Place Dauphine, 21, / Paris.“, Inventory No. A40986; Museum of the History of Science Oxford: „Drum Microscope, by Georges Oberhaeuser, Paris, c. 1840“, signed: „Georges Oberhaeuser, Ingenieur, Opticien, brevete, Place Dauphine, 19, Paris.“ on the drum „No. 914“, Inventory No. 51576; Pharmazie-Historisches Museum der Universität Basel: Mikroskop signiert auf dem Fuß „Georges Oberhaeuser, Place Dauphine 19, Paris“ sowie auf dem Tubusträger „Brevet d‘ Invention / Microscope achromatique“ und „Platine à Tourbillon / Eclairage à rayons parallèles / Diaphragme à mouvement vertical“]

Falls Sie ein Instrument anzubieten hätten, würde ich mich über eine Nachricht immer sehr freuen.