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Oberhäuser & Hartnack Mikroskop: Mittleres Trommelstativ (Stativ IV) aus zaponiertem und geschwärztem Vollmessing um 1858. Das Mikroskop verfügt über einen ausziehbaren Tubus, die Grobeinstellung erfolgt über freies Verschieben mit der Hand, die feine Fokussierung durch die Rändelschraube hinten unter der Säule. Unter der Tischplatte befindet sich ein konkaver Spiegel und ein Lochblendenrevolver.
| An optischer Ausstattung sind dem Instrument beigegeben: Die Objektive
4
,
7 und 8 sowie die Okulare
2 und
4. Diese Objektive können direkt an
eine Aufnahme geschraubt werden.
Vergrößerungen mit dieser Optik sind möglich wie folgt: |
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Auf dem
Tubus befindet sich die mehrzeilige Signatur:
G. Oberhaeuser
et E. Hartnack
Place Dauphine 21
Paris.
Dieses Mikroskop trägt die Seriennummer Nr. 3207 im Leder der Stativplattenunterseite eingebrannt - die selbe Zahl ist auch in den samtgepolsterten Kasten geprägt, bzw. in die Schatulle zur Aufbewahrung der Objektive und des Polarisators.
Zusätzlich verfügt dieses gut erhaltene Instrument über einen relativ seltenen frühen Polarisator, welcher bei größter Blendenöffnung in der Tischplatte versenkt werden kann - ein Schlagsymbol markiert die Orientierung. Der zugehörige Analysator läßt sich um 120° in seiner Fassung drehen - er wird zur Verwendung als Tubusanalysator direkt hinter dem Objektiv eingefügt. Später wird dieser Nebenapparat von Hartnack mit einer Kondensorlinse ausgestattet angeboten.
Ein Vorteil dieser für Oberhäuser typischen Position des Analysators liegt darin, dass so das größte Gesichtsfeld vom Benutzer bequem überblickt werden kann, auch wenn nur durch recht starkes Abblenden ein vollständig dunkles Gesichtsfeld bei gekreuzten Nicols erreicht werden kann. Ersters ist die favorisierte Überlegung, denn auch bei späteren Konstruktionen von Polarisationseinrichtungen der Firma ist die maximale Größe des Gesichtsfeld stets das Ziel.
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Dieses Mikroskop stellt ein typisches mittleres Mikroskop-Stativ aus den 1850ern dar. Ein identisches Instrument, ebenfalls mit dem sehr seltenen Polarisationsapparat, kann man heute im Museum der Charité, Berlin bewundern: Es wurde als persönliches Instrument über Jahrzehnte von Rudolf Virchow verwendet, einem der bedeutendsten deutschen Ärzte und Politiker des 19. Jahrhunderts.
Mit einer mittleren Trommel von G.Oberhaeuser und einem Stangenstativ von Schiek in Berlin im Hintergrund läßt sich während seiner Forschungen auch Ernst Haeckel malen.
![]() Im
"Preis-Verzeichnis der achromatischen Mikroskope von E. Hartnack, Nachfolger
von G. Oberhaeuser in Paris / Place Dauphine, 21" von 1861 erscheint dieses
Mikroskop in der Grundausstattung mit Objektiv 4 und 7 sowie 2 Okularen bzw.
erweitert mit einem dritten Objektiv und Okular wie folgt:
4. Achromatisches Mikroskop mit kleinem Trommelstativ, feststehendem
Objekttisch (breiter als bei No.3). Vergrößerungen 50, 65, 140,
172, 220 und 300. Drehbares Diaphragma. Mahagonikästchen......140
Francs Polarisationsapparate (für Mikroskope ab No.4 an verwendbar).....50-70 Francs |
Der am 16. Juli 1798 als Sohn eines bayrischen Drechslermeisters
in Ansbach (Mittelfranken) geborene Johann Georg Oberhäuser besucht
das Gymnasium und will den Ingenieurberuf ergreifen. Durch den frühen
Tod seines Vaters wird er jedoch gezwungen, 1812 als Mechanikerlehrling bei
dem Universitätsmechaniker du Mouceau in Würzburg einzutreten.
Nach drei Jahren stirbt sein Lehrherr und Oberhäuser begibt sich als
Mechanikergehilfe im Frühjahr 1816 nach Paris. Dort gelingt es ihm,
mit tüchtigen Fachleuten in Kontakt zu treten und so kann er sich schon
1830 mit Trécourt und Bouquet selbständig machen. Schon bald
trennt sich Oberhäuser jedoch wieder von seinen Kompagnons. Feldstecher
und Mikroskope werden die Haupterzeugnisse.
Zunächst verbessert er das aus dem 18. Jahrhundert stammende Trommelstativ ab 1835, wobei er es unter anderem im Innern des Fußes mit Blei beschwert. Das Schutzrecht auf ein ein "microscope achromatique vertical à miroir fixe avec platine à tourbillon" wird Georges Oberhaeuser zusammen mit Achille Trécourt im Oktober 1837 erteilt.
Das hier gezeigte Stativ wird in nahezu gleicher Bauweise von der konkurrierende Firma Nachet, Paris angeboten.
Oberhäusers Werkstatt gelingt schnell zu einem guten Ruf durch günstige und solide Instrumente mit ausgezeichneten achromatischen Objektiven.
1848 führt Oberhäuser das Hufeisenstativ ein, welches von allen führenden Herstellern übernommen wird und fast 100 Jahre im Gebrauch bleibt. Ferner standardisiert Oberhäuser die Tubuslänge auf 160 mm auf Veranlassung der damaligen Anatomen. So bleibt das Mikroskop ausreichend klein, um feuchte Objekte vertikal betrachten zu können, was mit den damaligen britischen Instrumenten nur schwer möglich ist. Dabei konstruiert Oberhäuser seine Mikroskope so einfach wie möglich, unter Verzicht auf technische Verfeinerungen, wiederum ganz im Gegensatz zu englischen Instrumenten.
So erfolgt die Grobeinstellung durch Verschieben des Tubus mit der Hand,
während nur zum Feinfokus eine Mikrometerschraube vorhanden ist. Diese
einfache Bedienung ermöglicht es den Forschern, sich ganz auf ihre
mikroskopische Arbeit zu konzentrieren. So erfreuen sich Mikroskope aus
Oberhäusers Werkstätte sowohl auf Grund ihrer
hervorragenden Objektive als auch der praktischen und relativ preiswürdigen
Hufeisenstative großer Beliebtheit. In den Jahren 1831 bis 1856 gehen
3000 Mikroskope aus Oberhäusers Werkstatt hervor.
Edmund Hartnack wird am 9. April 1826 zu Templin
in der Uckermark geboren und lernt 1842 - 1847 in Berlin das Mechanikerhandwerk
bei Wilhelm Hirschmann senior (1777 - 1847), welcher seinerseits mit
Schiek und Pistor zusammengearbeitet hat. 1847
kommt Hartnack zu Heinrich Daniel Rühmkorff (1803-1877) nach Paris und
geht später zu Oberhäuser. Dieser nimmt ihn 1854 als Teilhaber
auf. Hartnack heiratet Johanna Maria Louise Kleinod, die Nichte Oberhäusers
und übernimmt das Geschäft 1864, aus welchem sich sein früherer
Chef mehr und mehr zurückgezogen hat.
Während die "kleine Trommel" als kompaktestes Stativ der Firma noch bis in die 1880er produziert wird, wird die "mittlere Trommel" Mitte der 1870er von anderen Modellen abgelöst.
Dieses Mikroskop stammt aus dem privaten Nachlass von Dr.rer.nat. Erwin Kamptner, dem ehemaligen Leiter des Naturhistorischen Museum, Wien.
[Vergleiche Referenz 1, 2, 47, 56, 83, 88, 136 sowie Berliner Medizinhistorisches Museum an der Charité: "Mikroskop von Rudolf Virchow" signiert: G. Oberhaeuser et E. Hartnack, Place Dauphine 21, Paris (u.a. abgebildet in Referenz 37, das persönliche Mikroskop von Rudolf Virchow); Deutsches Technikmuseum Berlin: "Mikroskop um 1840; Oberhäuser, Paris", signiert: G. Oberhaeuser, Place Dauphine 19, Paris; Pathologisch-anatomischen Bundesmuseum Wien: "Zusammengesetztes Mikroskop, Trommelmikroskop um 1850 / Signatur: G. Oberhaeuser, Place Dauphine, Paris", Museal-Nr. 25.409 und "Zusammengesetztes Mikroskop, Trommelmikroskop um 1859 / Signatur: G. Oberhäuser & E. Hartnack, Place Dauphine, Paris", Seriennummer 2885, Museal-Nr. 26.818; Sammlung der Royal Microscopical Society: "Compound Microscope, signed: 'G. Oberhaeuser et E. Hartnack, Place Dauphine 21, Paris'", Inventory No. 203:A99; The Microscope Collection at the Science Museum London: "Achromatic Microscope by Oberhaeuser", signiert "G. Oberhaeuser, / Place Dauphine / Paris.", Inventory No. 1912-212]
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