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| Kleines Seibert-Mikroskop; Stativ 7; Nr.
1423, um 1876. Das Mikroskop besteht aus
zaponiertem und geschwärztem Messing und Blei. Die Grobeinstellung erfolgt
über einen Schiebetubus, die Feineinstellung über ein Rändelrad
an der Säule. Zur Beleuchtung dient ein Plan- und Konkavspiegel; unter
dem Tisch ist ferner ein Lochblendenrevolver angebracht. An optischer Ausrüstung verfügt das Instrument über das Objektiv Seibert NO III sowie ein Okular I. Über dem Gewindestutzen des Objektivs befindet sich ein Längsschlitz der ursprünglich bei Verwendung einer Polarisationseinrichtung zur Aufnahme von Verzögerungsplatten gedacht war. Aufbewahrt wird das Instrument liegend im Kasten. Die Serienummer des Instrumentes ist auf der Unterseite des Rundfußes mit Schlagzahlen verzeichnet und im Kasten eingeprägt.
Seibert. |
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Im "Preisverzeichniss der Mikroskope von Seibert und Krafft (E. Gundlach's Nachfolgern) in Wetzlar" aus dem Jahre 1876 erscheit dieses Mikroskop ohne die Modifikation als Polarisationsmikroskop wie folgt:
No. 7. Einfaches Mikroskop. Runder Messingfuss. Schnelle Bewegung des
Tubus durch freie Schiebung; genaue Einstellung mittelst feiner Schraube,
deren Handknopf sich über der Tubussäule befindet (Bewegung ohne
Friktion, siehe No. 1), drehbare Blendungsscheibe mit 5 Diaphragmen; Hohl-
und Planspiegel nach beiden Seiten hin beweglich. Hierzu die Objektive No.
II und Va, Okulare No. I und III; letzteres mit Mikrometer zum
Einschieben (Vergrösserungen 70-610fach); Testobjekte, Objektträger,
Deckgläser etc. In Mahagonikasten ... 120 Mark
Das gleiche Instrument ohne Mikrometer ... 114 Mark
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Am Kasten befindet sich noch ein altes
Inventurschildchen, welches in kyrillischer Schrift auf den ursprünglichen
Besitzer verweist: Berg-Institut Nr. 1363
(diese Hochschule, der deutschen Bergakademie entsprechend, befindet sich
auch noch heute in St. Petersburg, Rußland). An dieser Forschungsstätte hat bis 1883 auch der berühmte russische Mineraloge Ewgraph Stepamowitsch von Fedorow (1853 - 1919) studiert, welcher sich maßgeblich an der Weiterentwicklung der Polarisationsmikroskopie für die Petrographie beteiligt. Über Schweden kommt dieses Mikroskop schließlich im Spätsommer 2000 zurück nach Deutschland. Das Instrument ist in seiner Ausführung mit Rundfuß und Tisch typisch für die frühen Mikroskope aus Wetzlar. Man erkennt recht deutlich den Einfluß von Kellner und Belthle, für welche die Gebrüder Seibert zu Beginn arbeiten (siehe unten). Stative der Firma Seibert mit dem relativ zum Hufeisenfuß einfacher zu fertigenden Rundfuß sind recht selten. |
Wilhelm (1840 1925) und Heinrich (1842
1907) Seibert gehen beide bei Carl Kellner,
mit dem sie über ihre Mutter verwandt sind, und dessen Nachfolger
Friedrich Belhtle in die Lehre. Sie arbeiten
zusammen Ende der 1850er für Ernst
Gundlach, ein Optiker der seinerseits sowohl bei
Eduard Hartnack als auch bei
Belthle gearbeitet hat. Gundlachs Unternehmen
geht jedoch schon nach einem Jahr ein. Nachdem die Brüder Erfahrung
in anderen Betrieben gesammelt haben, arbeiten beide später wieder für
Belthle in Heimarbeit. Schließlich beliefern sie ausschließlich
Gundlachs neue Firma in Berlin. Als jener in Zahlungsschwierigkeiten kommt,
machen sie sich 1872 mit dem Wetzlarer Kaufmann Georg Krafft selbständig.
Im selben Jahr kaufen sie Gundlachs Werkstätte auf und verlegen sie
1873 nach Wetzlar. |
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1884 wird Krafft ausbezahlt und das Unternehmen in "W. & H. Seibert"
umbenannt. Die Gebrüder Seibert streben in Ihrer Arbeit auch danach
stets an, das Mikroskop in Einzelanfertigung zum Kunstwerk zu erheben.
Im Jahr 1900 wird das Seibert-Mikroskop Nr. 10 000 hergestellt. |
(Datierung mit freundlicher Unterstützung von Rolf Beck, Leiter Firmenmuseum und -archiv Leica GmbH Wetzlar, 14.08.2001 und Walter Seibert, Wetzlar 11.10.2001 - eine genauere Datierung ist leider nicht möglich, da die betreffenden Bücher der Fa. Seibert verbrannt sind)
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