Kleines Seibert-Mikroskop

Wilhelm und Heinrich Seibert Wetzlar

Kleines Seibert-Mikroskop; Stativ 6; im Kasten Nr. 5302, um 1887.

Vollmessing, zaponiert und geschwärzt, sehr gut erhalten. Instrument mit Objektiv Seibert NO II und Seibert NO V sowie Okulare I und III (in letzteres kann ein Objektivmikrometer mit 1/20 mm-Skala eingeschoben werden).

Grob- und Feintrieb, Lochblende mit Schwalbenschwanzführung und mehreren Einzelblenden, u.a. Dunkelfeld, für die zwei verschiedenen „Beleuchtungsapparate“, Plan- und Konkavspiegel.

Auf dem Tubus signiert:

Seibert

In Optisches Institut von W. & H. Seibert in Wetzlar: Katalog der Mikroskope, mikroskopischen & mikro-photographischen Objective & Apparate, nebst Preisangabe derselben. Dezember 1885. (Druck von Ferd. Schnitzler, Wetzlar 1885) erscheint dieses Mikroskop wie folgt:

Nr. 6 Einfaches Mikroskop. Hufeisenförmiger Messingfuss. Schnelle Bewegung des Tubus durch freie Schiebung; genaue Einstellung mittelst feiner Schraube, deren Handknopf sich über der Tubussäule befindet (Bewegung ohne Friction, siehe Nr.1), Cylinderblendung mit 3 Diaphragmen; Hohl- und Planspiegel nach beiden Seiten hin beweglich. Hierzu die Objective Nr. II und Va, Oculare Nr. I und III; letzteres mit Mikrometer zum Einschieben; (Vergrösserungen 70-610fach); Test-Objecte, Objectträger, Deckgläser etc. In Mahagoni-Kasten…120 M.
Grobe Einstellung mittelst Trieb erhöht den Preis um 20 Mark.

Über Wilhelm und Heinrich Seibert

seibert_wilhelm_xseibert_heinrich_xWilhelm (1840 – 1925) und Heinrich (1842 – 1907) Seibert

gehen beide bei Carl Kellner, mit dem sie über ihre Mutter verwandt sind, und dessen Nachfolger Friedrich Belhtle in die Lehre. Sie arbeiten zusammen Ende der 1850er für Ernst Gundlach, ein Optiker der seinerseits sowohl bei Edmund Hartnack als auch bei Belthle gearbeitet hat. Gundlachs Unternehmen geht jedoch schon nach einem Jahr ein.

Nachdem die Brüder Erfahrung in anderen Betrieben gesammelt haben, arbeiten beide später wieder für Belthle in Heimarbeit. Schließlich beliefern sie ausschließlich Gundlachs neue Firma in Berlin. Als jener in Zahlungsschwierigkeiten kommt, machen sie sich 1872 mit dem Wetzlarer Kaufmann Georg Krafft selbständig. Im selben Jahr kaufen sie Gundlachs Werkstätte auf und verlegen sie 1873 nach Wetzlar.

1884 wird Krafft ausbezahlt und das Unternehmen in „W. & H. Seibert“ umbenannt. Die Gebrüder Seibert streben in Ihrer Arbeit auch danach stets an, das Mikroskop in Einzelanfertigung zum Kunstwerk zu erheben.

Im Jahr 1900 wird das Seibert-Mikroskop Nr. 10 000 hergestellt.

Weltruhm erlangt die Firma durch die Verbindung mit Robert Koch, der 1877 mit einem Seibert-Mikroskop (mit mikrofotografischer Einrichtung, Photoobjektiven und Immersionsobjektiven) seine berühmten „Bakterien-Photogramme“ des Milzbrand-Bakteriums erstellt. Im Jahre 1878 liefert die Firma Seibert wieder ein Mikroskop samt Ölimmersion an Robert Koch nach Wollstein, der dieses Instrument zur Erforschung der Wundinfektionskrankheiten benutzt. Während Robert Koch in der Empfangsbestätigung aus dem Februar 1877 die Seibert’schen Produkte lobt, schreibt er ein Jahr später in einem persönlichen Brief an die Firmeninhaber, ihm seien mit dem Seibert-Instrumentarium „nicht unwichtige Entdeckungen“ gelungen.

Über das Exponat

Dieses Mikroskop ist demnach in der Originalausstattung erhalten. Es kann im Dezember 1999 bei einem Antiquitätenhändler in Landau/Pfalz für diese Sammlung angekauft werden.

Es handelt sich bei diesem Stativ um ein klassisches Modell von Seibert, welches noch fast 30 Jahre später im Seibert’schen Preis-Verzeichnis von 1915 als Einfaches Mikroskop, Stativ 7 unverändert angeboten wird.

Referenzen und Vergleiche

Vergleiche

Mikroskopsammlung des Medizinhistorischen Instituts der Universität Bern: Mikroskop „Seibert“ Nr. 3709, Inv.-Nr. 2020 – Stativ dort jedoch ohne Grobtrieb und Kondensor]

(Datierung mit freundlicher Unterstützung von Rolf Beck, Leiter Firmenmuseum und -archiv Leica GmbH Wetzar, 14.08.2001 und Walter Seibert, Wetzlar 11.10.2001 – eine genauere Datierung ist leider nicht möglich, da die betreffenden Bücher der Fa. Seibert verbrannt sind; Katalogabbildung mit freundlicher Unterstützung von Gerhard Mahr)

Falls Sie ein Instrument anzubieten hätten, würde ich mich über eine Nachricht immer sehr freuen.